Leo Graf erzählt seine Lebensbergsteiger-Geschichte Leo Graf erzählt seine Lebensbergsteiger-Geschichte
11 Februar 2026

Lebensbergsteiger Leo Graf

In einem Video erzählt der älteste Stammkunde in der Naturfreunde Kletterhalle Wien mit 98 Jahren von seinem bewegten (Bergsteiger)leben.

Leo Graf ist nicht nur ältester Stammkunde in der Naturfreunde Kletterhalle Wien, er hat mit 98 Jahren auch schon ein bewegtes Leben hinter sich. Gemeinsam mit den Naturfreunden Wien, hat die Kletterhalle Wien nun seine spannende Lebensgeschichte auf Video verewigt.

Aufgewachsen als Wiener Gemeindebaukind im Domes-Hof in Wien Margareten wurde er mit 15 Jahren im 2.Weltkrieg als Luftwaffenhelfer zur Deutschen Wehrmacht eingezogen. „Ich bin also nicht nur nazigeschädigt, sondern auch geprägt durch meine Gemeindebaukindheit“, sagt der noch immer lebenslustige und agile Leo.

Zur Wehrmacht ging er, um zu überleben. „Freiwillig habe ich das nicht gemacht. Aber mein Lebenserhaltungstrieb ist einfach sehr stark.“, so Leo. Nach Kriegsende 1945 kam er in Kriegsgefangenschaft auf der Ostsee-Insel Fehmarn. Es gelang ihm die Flucht zurück nach Wien, wo es ihn dann auch gleichauf die hohen Berge zog. „Bergsteigen war Freiheit. Du konntest hinfahren wo du wolltest, du konntest schlafen, wo du wolltest. Ob das jetzt ein Heustadl war, oder ein Felsbandl, ist wurscht. Das war einfach schön. Das hat zum Leben gehört.“

Seinen ersten 3000er bewältigte er auf der Schobergruppe und es sollten noch höhere Gipfel auf der ganzen Welt folgen. „Ich bin kein Spitzenbergsteiger, ich bin ein Lebensbergsteiger. Ich war nie ganz gut, aber ich war neugierig.“, so Leo. Und diese Neugier ist heute noch in seinen Augen zu sehen. In den Alpen kennt Leo fast alles und als es nach dem Krieg möglich war, zu hohen und exotischeren Gipfeln zu reisen, nahm Leo diese Möglichkeit wahr. Von der Türkei über den Kaukasus und bis nach Kamtschatka und Südamerika zog es ihn.

Ein tragisches und prägendes Erlebnis ereignete sich 1969 im Himalaya am Dhaulagiri IV, als er als einziger einer sechs-köpfigen Expeditionsgruppe überlebte, weil er nicht mit auf den Gipfel ging, um einen kranken Sherpa zurück ins Basislager zu begleiten.

Zum Klettern hat der Allroundalpinist dank eines Wiener Bibliothekars 1945 begonnen, damals noch mit Hanfseilen und wenig Ahnung. „Da hab ich schon oft einen Schutzengel gehabt. Aber nach dem Krieg hatten wir alle die Einstellung: Wir haben den Krieg überlebt, jetzt kann uns nix passieren. Bei mir hat es funktioniert, bei anderen nicht.“, erzählt Leo.

Zu seinem 90.Geburtstag ging Leo mit seinem Sohn Walter noch ein letztes Mal auf den Großglockner, um sich zu verabschieden. Heute ist er jeden Montag in der Naturfreunde Kletterhalle Wien anzutreffen: „Da fühle ich mich nicht unter Druck gesetzt. Wenn ich nicht mehr kann oder will, tu ich halt tratschen oder sichern.“

Und abschließend hat er noch einen Appell an heutige Kletterer*innen, ausgesprochen mit seinem typisch freundlichen, aber auch schelmischen Lächeln: „Ich würde mich über jeden freuen, der aus der Halle kommt und wenigstens einmal am Peilstein oder auf die Hohe Wand geht. Bleibts net in der Halle picken.“

Es ist schwierig ein so abwechslungs- und ereignisreiches Leben in ein paar Worte zu fassen. Daher haben wir Leo selber in einem Video erzählen lassen. Zu sehen ist das Ergebnis am YouTube Kanal der Kletterhalle Wien.

Text: Claudia Kahla



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